Das brauchen Kindergärten in der Coronakrise

30. March 2020

Beim schrittweisen Hochfahren unserer Wirtschaft steigt gleichermaßen auch der Betreuungsbedarf für unsere Kinder. Darum ist es wichtig, nicht nur für Schulen, sondern auch für Kindergärten, einen konkreten Plan zu haben, wie es nach Ostern weitergeht.

Unser 5-Punkte-Plan zum Kindergarten in der Coronakrise

Kindergärtner_innen sind wichtige Systemerhalter_innen. Ohne ihre Betreuungsleistung könnten viele andere ihren Berufen nicht nachgehen. Darum ist es wichtig, auch für Kindergärten - die erste Bildungseinrichtung für Kinder, einen konkreten Plan zu haben, wie es nach Ostern weitergeht. Wir fordern daher folgende 5 Punkte:

  1. Keine Föderalismus-Ausrede in der Krise
    Die Bundesregierung greift in der Coronakrise überall regulierend ein, auch in die Privatwirtschaft. Bei den Kindergärten hingegen kommt sie über einen Verweis auf Länder und Gemeinden nicht hinaus. Jetzt ist Handeln gefragt, damit aus der Gesundheitskrise keine Bildungs- und Betreuungskrise wird. Es gilt, Sicherheit zu geben. Den Beschäftigten, den Kindern, den Eltern und auch den Betreibern. Private Kindergärten sollen für den Entfall von Elternbeiträgen in ganz Österreich genauso umfassend entschädigt werden wie öffentliche, damit ihr Betreuungs- und Bildungsangebot auch für die Zukunft gesichert ist. 
    Wie im Schulbereich braucht es auch für die Kindergärten einen Plan, wie es nach Ostern weitergeht. Es gilt, eine Perspektive zu geben, in gesundheitlich vertretbarer Weise. Dazu zählen auch klare Vorgaben, etwa welche Gruppengröße aktuell zumutbar ist.
     
  2. Die Gesundheit der Kindergärtnerinnen schützen
    Im Kleinkindalter sind Kindergartenpädagog_innen meist die ersten und wichtigsten Bezugspersonen außerhalb der Familie. Ihre Leistung ist sowohl für die Entwicklung der Kinder, als auch für die Berufstätigkeit der Eltern enorm wichtig. Ihre Gesundheit ist daher für sie selbst, aber auch für die Gesellschaft, ein hohes Gut. 

    "Distanz halten" ist in der Arbeit der Kindergärtner_innen nicht möglich, auch nicht im Notbetrieb während der Coronakrise. Vom Trösten bis zum Wickeln geht vieles nur mit Körperkontakt. Umso wichtiger sind alle anderen Schutzmaßnahmen. Es braucht in großer Menge Einweghandschuhe, Desinfektionsmittel und andere Schutzausrüstung, bis hin zu kindgerechten Materialien für spielerisches Lernen des Maskentragens. 

    Der Bund muss Gemeinden und Länder bei der Beschaffung dieser Ausrüstung unterstützen, da er über größere Möglichkeiten verfügt. Viele Kindergärtner_innen arbeiten derzeit völlig ungeschützt. Zum Schutz der Gesundheit soll die Bundesregierung hier aktiv werden.
    Außerdem braucht es klare Regeln auch für den Kontakt mit den Eltern beim Bringen und Abholen. Eine Maskenpflicht kann auch hier die Übertragungsgefahr reduzieren. Im Tagesverlauf ist es wichtig, mit ausreichend Personal zu verhindern, dass Kinder zwischen den Gruppen wechseln, weil etwa am Nachmittag Gruppen zusammengelegt werden.   

    Kindergärtner_innen, die COVID19-relevante Vorerkrankungen aufweisen oder mit Personen mit Vorerkrankungen zusammen leben, sollen vom Dienst freigestellt werden. 
     
  3. Eltern unterstützen, Berufstätigkeit ermöglichen!
    Mit der schrittweisen Normalisierung des Wirtschaftslebens nach Ostern wird auch der Bedarf nach Kinderbetreuung steigen. Wenn beide Eltern arbeiten und die Großeltern als Risikogruppe geschützt werden sollen, ist der Kindergarten oft die einzige Option. 

    Die Politik darf die Kindergärten nicht unvorbereitet in eine stärker frequentierte Phase des Notbetriebs geraten lassen. Es braucht einen Plan, was alles zu berücksichtigen ist. Die Schutzausrüstung, die Abläufe - Stichwort Reinigung und Desinfizierung - und die Personaleinteilung müssen rechtzeitig darauf abgestimmt werden. Für eine ausreichende Personalausstattung und kleine, nicht zu dicht besetzte Gruppen ist auch wichtig, dass Kindergärtner_innen nicht in Kurzarbeit geschickt werden, wie dies leider bei privaten Betreibern vereinzelt der Fall ist. Nur so können Eltern guten Gewissens in ihre Jobs zurückkehren und die Wirtschaft wieder in Schwung bringen. 
     
  4. Einen guten Übergang zur Schule sicherstellen
    Wie in den Schulen ist auch im Kindergarten das Abschlussjahr von besonderer Bedeutung. Nicht ohne Grund ist es für alle Kinder verpflichtend. Die pädagogische Arbeit im Kindergarten trägt viel zur Schulreife bei. Außerdem ist die Sprachförderung für nicht deutschsprachige Kinder wichtig, um rechtzeitig vor der Schule die deutsche Sprache zu lernen. 

    Damit auch im Corona-Jahr möglichst viele Kinder einen gelungenen Schuleintritt erleben, soll ein eigenes Förderprogramm im Sommer ins Leben gerufen werden. Hier braucht es, vor allem dort wo Kindergärten im Sommer lange Schließzeiten haben, auch ein Sonderbudget in dieser außergewöhnlichen Situation. 
     
  5. Den Kindern Sicherheit und Zuversicht geben
    Aus den Kindergärten wird - wie aus den Schulen - berichtet, dass in der Coronakrise vor allem der Kontakt zu Kindern aus sozial schwächeren Familien verloren geht. Für Kinder generell, und für diese Kinder ganz besonders, sind die Beziehungen, Vorbilder und Förderung im Kindergarten wichtig für ihre emotionale Sicherheit und Entwicklung. 

    Der Kontakt mit allen Kindern soll daher aktiv gesucht werden, über alle verfügbaren Kanäle, damit die im Kleinkindalter so wichtigen Beziehungen aufrecht bleiben. In manchen Fällen muss dafür die technische Ausstattung in den Kindergärten nachgerüstet werden, in anderen reicht ein klarer Auftrag an die Pädagog_innen. Wenn Eltern und Kinder für den Kindergarten in der Krise nicht erreichbar sind, soll auch die Sozialarbeit einbezogen werden. Und zwar nicht erst dann, wenn etwas passiert ist, sondern proaktiv.

 

Fazit: Entschlossenes Handeln ist jetzt gefragt!

Die Krise zeigt, wie problematisch es ist, dass Länder und Bund "in guten Zeiten" kein Bundesrahmengesetz für die Elementarpädagogik zustande gebracht haben.Der föderale Kompetenzdschungel darf aber keine Ausrede dafür sein, die Kindergärten im Krisenmanagement der Bundesregierung komplett auszublenden. Wenn aus der Gesundheitskrise keine Bildungs- und Betreuungskrise werden soll, ist jetzt entschlossenes Handeln gefragt.