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Österreich hat gewählt

25.04.2016 Ulli Koch

 

Die einen sehen das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl als Katastrophe und Erschütterung des Rechtsstaates an. Die anderen sehen es als erdrutschartige Bestätigung ihrer Politik.

 

Keines von beidem ist in dieser Ausprägung richtig und eine Erklärung für das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl. Was ist es dann?

 

Erstens: Es ist die logische Konsequenz. Die Kandidaten von SPÖ und ÖVP waren nicht einmal für die eigenen Stammwähler eine Option.

 

Zweitens: Die Großparteien machen ihren Job nicht, und das seit Jahren. Sie bilden eine Regierung und sitzen die Zeit aus. Es kommen keine Ideen, keine nachhaltigen Strategien, oft spricht man nicht mal mehr miteinander. Flüchtlingen, Pensionssystem, Bildung, Beamtenrecht: greifen wir besser nicht an. Der Kopf wird in den Sand gesteckt. Was wählt man, wenn man sie wählt? Stillstand.

 

Drittens: Wenn die Regierung mal arbeitet, gibt es Schnellschüsse, die nicht durchdacht und eindimensional sind. Nichtraucherlokale – oder doch nicht? Registrierkassenpflicht.  Welcome refugees – Registrierung ist überbewertet. Kurz darauf: Böse Flüchtlinge! Wir brauchen möglichst hohe Zäune. Steuerreform – weil wir sie dringend brauchen, um wettbewerbsfähig zu sein, Erleichterungen für die Wirtschaft.

 

Viertens: Die Leute lassen sich nicht mehr als rechtsnational diffamieren, nur weil sie blau wählen. Sie fühlen sich im Stich gelassen, wollen zusammen halten gegen diese Verallgemeinerung. Die Politiker und die Medien sagen unisono, dass es auch heuer nicht mehr Verbrechen gibt und Asylwerber eine Bereicherung für unser Land sind. Immer wieder sickern Probleme durch, die es sehr wohl gibt. Warum werden diese totgeschwiegen, was erwartet man sich davon? Links – rechts – Gutmenschen – Rechtsextreme – es handelt sich um eindimensionale, beleidigende Kategorisierungen, die es nur gibt, um Menschen auseinander zu bringen.

 

Fünftens: Die Menschen in diesem Land sind gut und voll Nächstenliebe. Licht ins Dunkel, Caritas, Rotes Kreuz, Ärzte ohne Grenzen, Kinderdörfer und viele andere Organisationen werden ebenso tatkräftig unterstützt wie gemeinnützige Tätigkeiten ausgeübt. Jedoch erwartet man sich, dass das eigene Land die eigenen Bürger an die erste Stelle stellt und soziale Leistungen nicht freigiebig an andere verteilt (und die Leistungen, die es gibt, müssen transparent sein). Und wenn geholfen wird, will man ein Bitte und Danke hören und dass die Regeln, auf die wir uns geeinigt haben, eingehalten werden (und nicht die anderer Länder und Religionen übernommen werden).

 

Ein paar Punkte würden mir schon noch einfallen und gemeinsam würden wir wohl eine recht lange Liste der Verdrossenheit zustande bringen. Sicher ist, egal, wer die Stichwahl gewinnt: es wird für uns Österreicherinnen und Österreicher keinen gravierenden Unterschied machen, weil es uns im täglichen Leben nicht betrifft. Wer unser Bundespräsident wird, werden die Wähler eigenständig bei ihrem zweiten Gang zur Urne entscheiden.

 

Viel wichtiger ist herauszufinden, wo wir in 2, 5 und 10 und mehr Jahren stehen wollen und wie wir am Besten dahin gelangen können. Ein erster Schritt wären Ehrlichkeit und umfassende Berichterstattung durch die Medien, unabhängig davon, wer ihre Inserate bezahlt und die Zuweisung der Medienförderung beschließt.

Ein Zweiter: selbstbewusst sein – auch anderen gegenüber – und soviel zu lernen und kennenzulernen, wie es geht.

Drittens: mutig zu sein und spannende neue Wege denken und leben, anstatt in der ausgefahrenen steinigen Spur dahinzutuckern. Dann kann uns ein Wahlergebnis nicht mehr in den Grundfesten erschüttern.

 

Wertschätzend gegenüber unseren Nächsten, positiv und konstruktiv für unsere Zukunft, innovative und grundlegende Reformen, das wünsche ich mir!