Fakten schaffen Vertrauen
Transparenz statt Dramatisierung beim Thema Asbest
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Welche Asbestarten sind relevant?
Weltweit unterscheidet man sechs regulierte Asbestminerale. Wesentlich sind zwei Gruppen:
Amphibol-Asbeste (z. B. Krokydolith, Amosit, Tremolit, Aktinolith) – sehr biobeständig, nadelförmig, toxikologisch problematisch.
Chrysotil (Weißasbest) – häufigster Industrieasbest, etwas geringere Biobeständigkeit, aber ebenfalls krebserregend.
Im Burgenland geht es nach derzeitigem Kenntnisstand um natürlich vorkommenden Tremolit im Serpentinit-Gestein. Tremolit zählt zur Amphibol-Gruppe und ist grundsätzlich gesundheitlich relevant – allerdings nur dann, wenn lungengängige Fasern tatsächlich in relevanter Menge in die Atemluft gelangen.
Seit wann wird im Südburgenland abgebaut?
Greenpeace spricht öffentlich von „seit 1990“ abgebauten Mengen und suggeriert damit zumindest indirekt, dass der Abbau in diesem Zeitraum begonnen habe. Das ist historisch nicht korrekt.
Serpentinit-Gestein wird im Südburgenland nicht erst seit den 1990er-Jahren abgebaut. Geologische Fachliteratur belegt Abbauaktivitäten bereits in den 1930er-Jahren. Die häufig zitierte Jahreszahl 1990 dürfte sich daher auf einen gewählten Bezugszeitraum für Mengenschätzungen beziehen – nicht auf den Beginn der Förderung.
Wie hoch sind die gemessenen Belastungen?
Entscheidend ist nicht, ob Asbest im Gestein vorhanden ist – sondern wie viele Fasern pro Kubikmeter Luft tatsächlich messbar sind.
Zur Einordnung:
- EU-Arbeitsplatzgrenzwert (8-Stunden-Mittel): 10.000 Fasern/m³
- Typische Hintergrundbelastung im ländlichen Raum: meist unter 100 Fasern/m³
- Urban international: teils bis etwa 1.000 Fasern/m³
Medial berichtet wurden:
- In einzelnen Steinbrüchen: über 10.000 Fasern/m³ (Arbeitsbereich)
- Außerhalb dieser Bereiche: etwa 300 bis 800 Fasern/m³
- An anderen öffentlichen Standorten: bislang keine auffälligen Werte
Im unmittelbaren Arbeitsumfeld kann Schutzbedarf bestehen. Für die allgemeine Bevölkerung liegen die bisher kommunizierten Außenluftwerte deutlich unter dem arbeitsrechtlichen Grenzwert.
Gibt es erhöhte Krankheitszahlen?
Bis heute gibt es keine veröffentlichten Daten, die signifikant erhöhte Mesotheliom- oder Asbestose-Raten im Burgenland belegen.
- Latenzzeit asbestbedingter Erkrankungen: 20–50 Jahre
- Mesotheliom ist insgesamt sehr selten
- Regionale Cluster sind bei kleinen Fallzahlen statistisch schwer nachweisbar
Hätte es seit 1930 eine anhaltend hohe und flächendeckende Exposition der Bevölkerung gegenüber lungengängigen Asbestfasern gegeben, wäre epidemiologisch zu erwarten, dass sich dies in erkennbaren Krankheitsmustern niederschlägt. Solche Muster sind derzeit nicht dokumentiert.
Internationaler Vergleich
Hohe Mesotheliom-Raten finden sich international vor allem dort, wo industrielle Asbestverarbeitung stattfand – etwa in Werften, Isolierbetrieben oder Asbestfabriken.
Im Burgenland liegt nach aktuellem Kenntnisstand keine vergleichbare industrielle Expositionsgeschichte vor, sondern natürlicher Gesteinsabbau.
Was jetzt notwendig ist
- vollständige Veröffentlichung aller Messpunkte
- Angaben zu Datum, Wetter, Messmethode und Nachweisgrenzen
- Zeitreihen statt Einzelmessungen
- transparente Darstellung, wo Material verbaut wurde
- klare bundesrechtliche Regelung für natürlich asbesthaltiges Gestein
Die Landesregierung ist gefordert, sämtliche vorhandenen Messdaten vollständig offenzulegen, inklusive Rohdaten, Methodik, Standortkoordinaten und Vergleichswerten. Strukturiert, maschinenlesbar und für Bürger verständlich aufbereitet.
Das Informationsfreiheitsgesetz verpflichtet öffentliche Stellen zur Transparenz. Das alte Amtsgeheimnis existiert nicht mehr. Das neue Prinzip lautet: Offenheit statt Geheimhaltung.
Fazit
- keine Panik
- keine Verharmlosung
- keine verkürzten Darstellungen
- sondern evidenzbasierte Bewertung
Wer Vertrauen schaffen will, muss Zahlen offenlegen – vollständig und nachvollziehbar.
Denn Vertrauen entsteht nicht durch Lautstärke, sondern durch Fakten.

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