Mental Health: Aufklärung statt Vorurteile

Lydia Kroiss, Diplom-Sozialpädagogin im Burgenland, macht als Gastautorin auf die Bedeutung von mentaler Gesundheit aufmerksam und plädiert für mehr Aufklärung statt Vorurteile
Das Thema mental health begleitet uns in allen Bereichen unseres Lebens. Wenn man immer wieder mit vielen unterschiedlichen Menschen und Systemen arbeitet, aufmerksam ist, zuhört und nachfragt, hat man einen guten Einblick vor welchen Herausforderungen man als einzelne Personen und die Gesellschaft steht.
Informationsüberflut vs. Orientierung: Es kostet extrem viel mentale Energie die richtigen und vertrauenswürdigen Informationen zu filtern.
Leistungsdruck in der Schule und Ausbildung: Das alleinige lernen von Fakten ist ein veraltetes System. Vielmehr geht es um ständiges Anpassen, digitale Kompetenzen und das sogenannte „Lebenslange Lernen“. Das kann zu Überforderung führen.
„Optimierungsspirale“ in der Arbeitswelt: Der Arbeitsmarkt ist geprägt von Spezialisierung, hoher Flexibilität und ständiger Erreichbarkeit. Der gesellschaftlich vermittelte Druck, immer „besser, schneller und erfolgreicher“ zu sein, gleichzeitig finanziell erfolgreich abzuschneiden, führt bei vielen zu mentaler Erschöpfung.
Gesellschaftliche Erwartungen: Familie, Karriere, Selbstverwirklichung und ein perfektes soziales Leben – alles soll gleichzeitig und am besten makellos funktionieren. Diese Vielzahl an gesellschaftlichen Normen lässt sich im Alltag kaum unter einen Hut bringen.
Wir erleben derzeit einen Bewusstseinswandel. Psychische Gesundheit wird offen thematisiert und die klare Benennung und fachliche korrekte Einordung von psychischen Erkrankungen prägen zunehmend unsere Gesellschaft.
Nach wie vor existieren zahlreiche Vorurteile gegenüber psychischen Erkrankungen.
Hat man bereits ein Wissen über psychische Erkrankungen, kann man neutraler und vorurteilsfreier Betroffenen begegnen. Somit könnte Vertrauen wachsen und Veränderung ermöglicht werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Hilfe angenommen wird. Laut pro Mente Austria nimmt derzeit nur jede vierte betroffene Person professionelle Unterstützung in Anspruch.
Ich wünsche mir noch mehr Aufklärung über psychische Erkrankungen und einen offeneren Umgang mit diesem Thema. Es ist entscheidend, dass wir einander aktiv zuhören und die zwischenmenschliche Kommunikation verbessern. Nachzufragen ist dabei ein wesentliches Instrument, um Missverständnisse zu vermeiden – denn was für einen selbst klar erscheint, ist für andere oft nur schwer nachvollziehbar.
Lydia Kroiss
Diplom Sozialpädagogin
Anlaufstellen Burgenland:
Psychosozialer Dienst Burgenland
Telefon: 05/0944
Burgenländischer Landesverband für Psychotherapie
Telefon: 02682/630 10
Institut für Psychotherapie (IPR)
Telefon: 02682/68471 nur Dienstags!
Telefonseelsorge
Telefon: 142 Notruf, täglich 0-24h
www.telefonseelsorge.at
Frauenhelpline
Telefon: 0800/222 555
Männernotruf
Telefon: 0800/246 247
Ö3 Rotes Kreuz Kummernummer
Telefon: 116 123
Rat auf Draht
Telefon: 147
Seminar: Erste Hilfe für die Seele – pro mente Austria
Erste Hilfe für die Seele leitet Nichtfachleute mit dem 5-Schritte-Plan ROGER an wie sie psychische Beeinträchtigungen bei Menschen in ihrem privaten und beruflichen Umfeld früh erkennen und ansprechen können und wie sie Betroffene darin unterstützen.
(Quelle: pro mente Austria)




