Zum Inhalt springen

Weltfrauentag: Zwischen Verantwortung, Beruf und Alltag

und warum wir mehr darüber reden sollten.   

Stani Frank, NEOS Eisenstadt

Stani Frank, NEOS Eisenstadt

Der Weltfrauentag ist für viele ein symbolischer Tag. Für mich ist er auch ein Moment der Reflexion. Als fast 40-jährige Frau mit Migrationshintergrund, alleinerziehende Mutter und berufstätige Pendlerin weiß ich sehr genau, wie herausfordernd es sein kann, die unterschiedlichen Bereiche des Lebens und die damit einhergehenden Rollen in die man tagtäglich schlüpfen muss unter einen Hut zu bringen.

Letzten Montag zum Beispiel: Der Wecker hat geklingelt – und ich habe ihn offenbar im Halbschlaf ausgeschaltet. Als ich die Augen wieder aufmache, weiß ich sofort: Ich habe verschlafen. Der erste Gedanke gilt nicht mir, sondern dem Zug. Den werde ich nicht mehr erwischen. Gleichzeitig läuft im Kopf sofort die nächste Liste: Mein Sohn muss dringend in die Schule. Alles geht plötzlich schneller als sonst. Jacke, Schultasche, Schuhe. Für ein gemeinsames Frühstück reicht die Zeit nicht mehr, das schlechte Gewissen plagt mich und dennoch bin ich froh, dass ich zumindest die Jause am Vorabend vorbereitet habe. Während die Tür hinter ihm zugeht, schaue ich bereits wieder auf mein Handy: Wann fährt der nächste Zug? Wie komme ich heute am schnellsten ins Büro? Welche Termine muss ich vielleicht verschieben?

Solche Momente sind kein Ausnahmefall. Sie sind Alltag für viele Eltern – und besonders oft für Frauen. Der ständige Balanceakt zwischen Verantwortung für die Familie, beruflichen Verpflichtungen und den ganz normalen Unwägbarkeiten des Lebens.

Und genau hier möchte ich auch etwas sehr bewusst sagen: Ich bin dankbar für die Möglichkeiten, die mir mein Beruf bietet. Ich arbeite in einem Umfeld, das mir Flexibilität ermöglicht, Entwicklungschancen bietet und Sicherheit gibt. Das ist nicht selbstverständlich. Flexible Arbeitsmodelle, Vertrauen und die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen, machen einen enormen Unterschied – besonders für Menschen, die Familie und Beruf gleichzeitig organisieren.

Was mich gleichzeitig optimistisch stimmt, ist eine Veränderung, die ich zunehmend wahrnehme: Immer mehr Männer verstehen, was Frauen täglich leisten. Viele übernehmen Verantwortung in ihren Familien, teilen Aufgaben selbstverständlich und sehen Partnerschaft wirklich als Partnerschaft auf Augenhöhe.

Mein Wunsch an Männer ist deshalb nicht nur, weiterhin Verantwortung zu übernehmen, sondern auch darüber zu sprechen. Sprecht darüber im Freundeskreis, am Arbeitsplatz, in Unternehmen und in der Öffentlichkeit. Wenn Männer offen zeigen, dass sie Familie, Betreuung und Verantwortung genauso ernst nehmen, verändert das auch Strukturen und Erwartungen in unserer Gesellschaft.

Der Weltfrauentag erinnert uns daran, wie weit wir bereits gekommen sind. Aber er erinnert uns auch daran, dass Gleichberechtigung eine gemeinsame Aufgabe bleibt.

Eine moderne, liberale Gesellschaft lebt davon, dass Menschen ihre Talente entfalten können – unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Lebensmodell. Wenn Frauen und Männer Verantwortung gemeinsam tragen, profitieren am Ende alle davon: Familien, Unternehmen und unsere Gesellschaft insgesamt.

Weitere interessante Artikel

Julia Prinke
Kindergartenleiterin und Elementarpädagogin
24.01.2026

GASTBEITRAG
Tag der Elementarpädagogik
Vom Anfang an denken!

Mehr dazu

Melde dich für unseren Newsletter an!