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Asbest: die Fakten sind da - jetzt muss das Land endlich Farbe bekennen und handeln

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Christoph Lach, Landessprecher NEOS Burgenland

Im Februar habe ich an dieser Stelle über Asbest im Burgenland geschrieben. Meine Haltung war klar: keine Panik, keine Verharmlosung, sondern eine Bewertung auf Basis von Fakten.

Dazu stehe ich.

Damals lagen erst die ersten Messungen vor. Deshalb war es richtig, nicht aus einzelnen Materialproben oder einzelnen Luftmessungen voreilige Schlüsse zu ziehen.

Heute, sieben Monate später, ist die Situation eine andere.

Jetzt sind die Messungen da. Und sie verlangen Handeln statt Reden.

Die Taskforce hat ihren Maßstab selbst festgelegt

Das Land hat eine eigene Taskforce eingesetzt. Diese hat für ihre Außenluftmessungen einen Referenzwert von 1.000 Asbestfasern pro Kubikmeter Luft festgelegt.

Im März konnte das Land noch vermelden: Bei keinem der damals 66 Messpunkte wurde dieser Referenzwert überschritten.

Gleichzeitig erklärte die Taskforce selbst, dass weitere Messungen notwendig seien. Die Freisetzung von Asbestfasern sei stark von der Witterung abhängig, in der trockenen Jahreszeit herrschten „völlig andere Verhältnisse“ als im Winter.

Dann kamen weitere Messungen.

Am 7. Mai wurden in Großpetersdorf 1.903, 1.191 und 1.190 Fasern/m³ gemessen.

Auf einer stark staubenden Fahrbahn wurden bei einer gezielten Nutzungssimulation 8.925 beziehungsweise 13.387 Fasern/m³ festgestellt.

Am 29. Mai wurden in Kohfidisch 1.105 Fasern/m³ gemessen.

Diese Zahlen stehen in der offiziellen Messtabelle des Landes Burgenland.

Das bedeutet nicht, dass jeder einzelne dieser Werte automatisch eine dauerhafte Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung beweist. Für das tatsächliche Risiko sind Konzentration, Dauer und Häufigkeit der Exposition entscheidend.

Aber eines ist ebenso klar:

Der von der eigenen Taskforce festgelegte Referenzwert wurde mehrfach überschritten.

Und die Taskforce hält in ihrer eigenen Messtabelle fest, dass durch Abrieb Fasern freigesetzt werden können. Die Werte über der erwarteten Hintergrundbelastung geben laut Taskforce „Anlass zu Handeln aus vorsorgendem Gesundheitsschutz“.

Wo sind die Sommermessungen?

Genau hier wird es wirklich problematisch.

Die Taskforce selbst schreibt, dass die Freisetzung von Asbestfasern stark von den Witterungsbedingungen abhängt und in der trockenen Jahreszeit völlig andere Verhältnisse herrschen als im Winter.

Mehrere Messdurchgänge unter unterschiedlichen klimatischen Bedingungen waren genau deshalb vorgesehen.

Und wann endet die veröffentlichte Messreihe?

Am 29. Mai.

Keine veröffentlichte Messung aus Juni.

Keine aus Juli.

Keine aus August.

Trotzdem erklärt das Land die Luftmessungen inzwischen für abgeschlossen und spricht von einem „umfassenden und wissenschaftlich fundierten Lagebild“ sowie einer umfassenden Datengrundlage.

Das passt nicht zusammen.

Wer selbst feststellt, dass Trockenheit entscheidend sein kann, muss gerade dann messen, wenn es trocken ist.

Und wer eine Taskforce einsetzt, muss sich anschließend auch an den Erkenntnissen dieser Taskforce messen lassen.

Gesundheitsschutz darf nicht beim Spitalstor enden

Gesundheitsschutz bedeutet vor allem, dort konsequent zu handeln, wo eine mögliche Belastung der Bevölkerung festgestellt wurde.

Die eigene Taskforce ist hier bemerkenswert deutlich: Alles, was zu einer Erhöhung der Faserbelastung der Atemluft führen könnte, muss vermieden oder sachgemäß beseitigt werden. Bei festgestelltem oder verdächtigem asbesthaltigem Material empfiehlt sie Entfernung und fachgerechte Entsorgung oder, wo das nicht möglich ist, eine dauerhafte Bindung.

Das Problem liegt längst außerhalb der Steinbrüche

Inzwischen geht es nämlich nicht mehr nur darum, was in den Steinbrüchen passiert.

Es geht um die viel größere Frage:

Wo liegt dieses Material heute überall?

Dass man diese Frage systematisch beantworten kann, zeigt die Stadt Wien.

Nach Bekanntwerden der Asbestfälle im Burgenland hat Wien ein eigenes Verfahren eingeführt. Gemeldete Verdachtsflächen im öffentlichen Straßenraum werden systematisch überprüft und von akkreditierten Prüfstellen untersucht. Wo Asbest nachgewiesen wurde, werden betroffene Straßenabschnitte gesichert beziehungsweise versiegelt.

Alle bestätigten Asbestvorkommen im öffentlichen Wiener Straßenraum werden in einem eigenen Register erfasst. Bei künftigen Aufgrabungen und Umbauarbeiten gelten für diese Bereiche klare Vorgaben, damit keine Fasern freigesetzt werden. Bei Straßenbauprojekten mit Straßenaufbruch wird der bestehende Straßenkörper inzwischen bereits im Vorfeld auf Asbest untersucht.

Diese systematische Vorgangsweise fehlt im Burgenland.

Denn auch hier muss endlich geklärt werden:

Wo wurde Material aus den betroffenen Steinbrüchen über Jahrzehnte verbaut?

Es reicht nicht, zu wissen, wo Luft gemessen wurde.

Wir müssen wissen, wo das belastete Material liegt.

Jetzt müssen Entscheidungen fallen

Wir haben im Februar Messungen statt Panikmache gefordert.

Jetzt sind die Messungen da.

Und daraus ergeben sich für mich drei klare Konsequenzen:

Die betroffenen Steinbrüche müssen dauerhaft geschlossen bleiben.

Aus Steinbrüchen, deren Material eine entsprechende Asbestbelastung aufweist, darf kein weiteres belastetes Gestein in Umlauf gebracht werden.

Das Burgenland braucht einen amtlichen Asbestkataster.

Wien zeigt, dass ein solches behördliches Register möglich ist. Das Land muss systematisch feststellen, wo belastetes Material verwendet wurde. Verdachtsflächen müssen überprüft, bestätigte Belastungen erfasst und weitere Verwendungsorte aktiv erhoben werden.

Alle kontaminierten Flächen müssen saniert werden.

Wenn Doskozil bei der Gesundheitsversorgung selbst sagt, Versorgungssicherheit sei „nicht verhandelbar“, dann muss dieser Anspruch für den Schutz der Gesundheit erst recht gelten. Wer eine Taskforce einsetzt, deren eigene Messungen Handlungsbedarf zeigen, und dann vor den Konsequenzen zurückschreckt, widerlegt den eigenen Anspruch. Das ist ein Offenbarungseid für Doskozils Gesundheitspolitik.

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